Susanne Sommer und ihre Band Sunnadl
© Bettina Hercher

Interview Susanne Sommer und Sunnadl

POETIC PERFORMANCE
Eine lyrisch-musikalische Reise
mit Susanne Sommer und Sunnadl
Fr, 27.11.2026, 19:30 Uhr | Altes Kino Mörbisch

Im Gespräch mit Susanne Sommer

Frau Sommer, Sie bezeichnen den Neusiedler See als Sehnsuchts- und Zufluchtsort. Welche Rolle spielt dieser Ort für Ihr Schreiben – und was bedeutet es für Sie, gerade in Mörbisch mit Ihren Texten auf der Bühne zu stehen?
Ich bin am Neusiedler See aufgewachsen. Wasser prägt unsere Identität. Das ist keine neue Erkenntnis. Ich kann das auf jeden Fall bestätigen. Es war vor allem der See, der mir geholfen hat, mich in meinem Ursprungs-Zuhause nach 15 Jahren „Wien und Welt“ wieder einzufinden. Und es war der See, der mir die nötige Klarheit und Ruhe geschenkt hat, um mich neu zu orientieren. Und meine Gedichte zu schreiben. Vielleicht klingt das kitschig, aber es ist einfach so: Der See ist mir ein alter, liebevoller Vertrauter und Begleiter. In Mörbisch hatte ich bereits mehrere Lesungen. Aber mein sozusagen „großes Bühnenprogramm“ – die von mir konzipierte und gemeinsam mit Sunnadl erarbeitete und gestaltete „Poetic Performance“ – findet nun zum ersten Mal in Mörbisch statt. Sie bekommt eine große, schöne Bühne im wunderbaren Alten Kino Mörbisch. Das berührt mich, macht mich stolz-euphorisch. Ich danke den Kulturbetrieben Burgenland für die Einladung. Und freue mich sehr darauf.

Ihre „Poetic Performance“ verbindet Lesung, freien Vortrag, Gesang und Bewegung. Was kann auf der Bühne entstehen, das ein Gedicht auf einer Buchseite allein nicht vermitteln kann?
Ich glaube, dass vor allem die Poesie – also das Gedicht – enorm vom stimmlichen Vortrag, von dieser Unterstreichung und Ergänzung profitiert. Es wird lebendiger, eindeutiger, vermag Menschen anders zu berühren als das „reine Schriftbild auf Papier“. Die Poesie lebt von der Unmittelbarkeit. Die Stimme hilft dabei, Bilder in den ZuhörerInnen entstehen zu lassen. Die eigenen Bilder, Geschichten und Assoziationen zu entdecken. Mit Musik wird die Geschichte noch einmal um eine Nuance reicher. Die Disziplinen verstärken und bereichern einander. Das Leben ist bunt. Und bunt möchte ich auch meine Kunst erleben und mit dem Publikum teilen – aus verschiedensten Quellen schöpfend.

Mit „Sunnadl“ treffen Ihre Texte auf Klavier, Geige, Cello und Gesang. Wie entsteht dieses Zusammenspiel – reagiert die Musik auf Ihre Worte oder beeinflusst umgekehrt die Musik auch die Art, wie Sie Ihre Texte vortragen?
Die Zusammenarbeit mit „Sunnadl“ ist natürlich ein großes Geschenk. Die drei Musikerinnen haben ihre Kunst, und ich habe meine. Beides ist stark, eigenständig, mit prägnanter Handschrift. Wenn sich das dann auch noch verbindet, blüht etwas Neues auf. In unserer Poetic Performance folgen Texte und Musik einem durchgehenden roten Faden. In meinen Texten klingt Sunnadls Musik nach. Und meine Texte wiederum beeinflussen, wie die Lieder von Sunnadl wirken. Es ist eine besondere und sensible Symbiose.
Und gleichzeitig hängt auch sehr viel von der jeweiligen Stimmung am Auftrittsabend ab. Es ist immer neu, anders, echt. Nahbar. Und genau das mögen unsere Fans.

Bei diesem Abend präsentieren Sie auch unveröffentlichte Texte. Können Sie uns schon ein wenig verraten, welche Susanne Sommer das Publikum im Alten Kino kennenlernen wird – eher die nachdenkliche, die wilde, die humorvolle oder vielleicht alle zugleich?
Ganz sicher „alles zugleich“.  Ich achte bei der Zusammenstellung des Programms immer auf Ausgewogenheit und Vielfalt. Es wird ein Potpourri aus Gedichten, Geschichten und Musik. Aus Veröffentlichtem und Unveröffentlichtem. Gerade für den Auftritt im Alten Kino Mörbisch ist Sunnadl und mir eine Mischung wichtig: „Klassiker“ gepaart mit Überraschungen. Was ganz sicher ist: Es wird wie immer ein mit Herzblut verlesener und ver-dichteter Abend. Und wir freuen uns auf unsere mittlerweile treue Fangemeinde wie auch auf alle, die sich erstmals auf einen „Poetic Trip“ einlassen möchten. Wir danken schon jetzt für das Interesse!

 


 

Im Gespräch mit Sunnadl

Sunnadl, das sind Belinda Fritz (Violine und Gesang), Nadja Milfait (Cello und Gesang) und Sigrid Prattinger (Piano und Gesang): Ihr arbeitet schon länger mit Susanne Sommer zusammen. Wie ist es dazu gekommen, ein gemeinsames Bühnenprojekt zu entwickeln?
Gemeinsame Veranstaltungen im Rahmen von „Lesung und Musik“ haben sich immer mehr zu einer verschränkten Performance verbunden, zu einem gemeinsamen Bühnenprojekt, bei dem Musik und Text ineinanderfließen und sich miteinander weiterentwickeln. Dieses neue Format hat uns alle begeistert und auch gegenseitig befruchtet.

Susannes Texte sind teilweise sehr persönlich und behandeln auch Themen wie Frausein, Muttersein, Sehnsucht, Selbstbestimmung oder Verletzlichkeit. Wie nähert ihr euch solchen Texten musikalisch an?
Unsere selbstkomponierte Musik entsteht oft sehr spontan im gemeinsamen Musizieren und Improvisieren. Die eigenen Erfahrungen von Verletzlichkeit und Sehnsucht, Frau- und Muttersein fanden schon immer Platz in unserer Musik. Dabei entwickeln sich unsere Klänge von zart und sehnsuchtsvoll bis hin zu kraftvollen Rhythmen. Emotionen, die wir musikalisch einfangen.

Gibt es einen Text von Susanne Sommer, bei dem ihr sofort wusstet, wie er musikalisch klingen muss – oder vielleicht einen, an dem ihr besonders lange gearbeitet habt?
Wir unterlegen Texte von Susanne oft mit unseren Instrumentalnummern und schaffen damit einen Klangteppich, von dem die Texte getragen werden. Oder es entsteht ein musikalisch-rhythmisch-sprachliches Stück, wie z. B. ein Rap. Das Entwickeln gemeinsamer Stücke macht allen Beteiligten viel Spaß und lässt Neues entstehen.

Ihr bezeichnet eure Musik als „Burgenländischen Chanson“. Was macht diesen Stil für euch aus?
Wir erzählen in unseren Liedern vom kleinen Leben in der pannonischen Welt. In unseren handgemachten Texten, gesungen im Dialekt, geht es um das Dorfleben, den Schilfgürtel des Neusiedler Sees, die Hänge des Leithabergs, das Träumen von fernen Ländern und den ganz normalen Alltagswahnsinn, wie z. B. die Gelsenplage oder das Jammern über allerlei Wehwehchen. Die pannonische Atmosphäre fangen wir durch sehnsuchtsvolle bis feurige Instrumentalnummern ein. Burgenländischer Chanson in Kurzbeschreibung: erzählte kleine Welt, Dialekt, erdverbunden, mit feinem Schmäh und sehnsuchtsvollen bis feurigen Instrumentalnummern.

 


 

Weitere Informationen zu den Künstlerinnen:

Susanne Sommer:
textbewegungen.at

Sunnadl (Sigrid Prattinger, Belinda Fritz, Nadja Milfait):
sunnadl.at